Problemzone Bikini

Es ist Freitag, der 7. Juli, und ich liege mit einer Magen-Darm-Geschichte flach. Ich will euch nicht mit unnötigen Details belasten, aber so viel sei gesagt: Ich bewege mich heute lieber nich allzu weit vom stillen Örtchen weg. Mit dieser Information – oder vielmehr mit dem, was sie impliziert – breche ich jetzt vielleicht sämtliche gesellschaftlichen Konventionen zum Thema „Frauen und Ausscheidungen“, aber ich denke: Würde Gott wollen, dass Frauen nicht über Exkremente sprechen, so würde er sie nicht mit Diarrhö strafen.

Ich liege also in meinem Bett und im Hintergrund ist irgendwo ein Tap mit Netflix geöffnet. Die Pretty Little Liars versuchen immer noch herauszufinden, wer hinter dem Absender mit dem ominösen Kürzel A steckt, aber ich will mich einfach nicht so richtig dafür begeistern. Längst bin ich in den Unweiten des Internets abgetaucht und fürchte, dass ich bis zum Ende dieses Krankheitstages ein Monatsgehalt in Online-Shopping investiert haben. Brutto, versteht sich, nicht netto.

Wenn Trendschuhe um 20 Euro reduziert sind, werde ich argwöhnisch.

Ich halte mich seit 7 Uhr 30 davon ab, ein verdächtig günstiges Paar Vans auf Amazon zu bestellen. Wenn Trendschuhe 20 Euro günstiger sind, obwohl die rasende Meute jederzeit bereitwillig den vollen Preis zahlen würde – zahlreiche Beweise hierfür laufen ja auf Deutschlands Straßen herum – dann werde ich argwöhnisch. Selbst von zahlreichen 5-Sterne-Rezensionen lasse ich mich nur schwer blenden. Weil ich aber das Gefühl habe, nun keine Sekunde mehr ruhen zu können, ohne ein Paar Vans zumindest in einen virtuellen Warenkorb zu legen, mache ich einen Abstecher bei Zalando. Nur um festzustellen, dass dort bereits ein ähnliches Schuhwerk meinen Korb hütet. Ich seufze ein bisschen und bin verleitet auf den leuchtend orangefarbenen KAUFEN-Button zu klicken. Aber das geht nicht. Wieso? Na ganz einfach: Mein Zalando-Warenkorb ist so prall gefüllt, dass ich diesen Monat mit der Miete aussetzen müsste, würde ich alles auf einmal erwerben. Kennt ihr das? Einfach mal alles in den Korb legen, dann traurig lachen und den Browser schließen? Ich kenne das. Nur zu gut. Aber es ist ja nichts dagegen einzuwenden, die potenziellen Habseligkeiten ab und an zu besuchen. Hallo, Nike Laufhose im Wert eines Kleinwagens. Seid gegrüßt, Birkenstock in drei verschiedenen Ausführungen. Mutti liebt euch!

Bei meiner heutigen Stippvisite im Zalando Warenkorb werde ich jedoch mit einem Problem konfrontiert, dem ich mich neuerdings mal wieder stellen muss: Bademode!

Ich will mich nicht fühlen wie ein Steak auf einem veganen Büffet.

Seit ich vorige Woche eine beträchtliche Anzahl von Urlaubstagen in einem Sommermonat freigegeben bekommen habe, ist mir klar, dass die Vorstellung von mir in einem Bikini an einem Sandstrand schon bald Realität wird. Ich halte seither die Augen nach einem Bikini offen, in dem ich mich (hoffentlich) nicht fühle wie ein leicht angetrocknetes Steak auf einem veganen Büffet: zu entblößt und fehl am Platz.

Kurzes Zwischenfazit zu dieser Mission:

  • Anzahl der Nervenzusammenbrüch in der Umkleidekabine bei H&M: 1.
  • Zugebrachte Stunden im Online-Shopping-Portal des Vertrauens: k.A.

Mehr und mehr dringt sich mir der Verdacht auf, dass nicht unsere Körper Problemzonen haben, deretwegen wir uns im Bikini unwohl fühlen. Sondern dass der Bikini selbst die größte Problemzone ist! Mal im Ernst: Muss noch jemand Strand-Mode etwa drei Nummern größer kaufen, als jedes andere Kleidungsstück, das sich im Schrank befindet? Jede Bikinihose in meiner üblichen (Unterhosen-)Größe klemmt und malt hässliche Gummiränder in meine Schenkel. JEDE! Ich verstehe schon, dass das Ding stramm sitzen muss, um nach dem Sprung vom 5er nicht getrennt vom Träger wieder aufzutauchen. Aber muss ich deshalb darin aussehen, wie eine Mini-Wini-Würstchenkette? Kann man Größe und Funktionalität nicht vereinheitlichen? Hier ein Vorschlag zur Güte: Verkauft diejenige Bux, in der eine Größe 40 unbesorgt vom 5er hüpfen kann, als eine Größe 40. Nehmt nicht einfach eine Größe 40 und schnürt sämtliche Öffnungen enger zusammen, sodass nur noch Beine hindurchpassen, die sonst in einer 36 stecken. Nicht weil die Zahl auf dem Schildchen so wichtig ist, sondern damit man sich einfach richtig orientieren kann? Okay? Gut. War das schwer? Nein! Danke.

Besonders bei Surfer-Marken wie Billabong, Rip Curl und Co ist mir aufgefallen, dass sie so klein ausfallen, als wären sie für 9-Jährige geschneidert worden – und das obwohl sich keine 9-Jährige ein Bikini-Set für 80 Kröten leisten kann. Ich persönlich möchte mir 80 Euro für einen Bikini nicht leisten. Für diese Summe kann ich mir nämlich viele andere Dinge kaufen. Zum Beispiel besagtes Paar Vans – zum vollen Preis – UND danach noch nen fetten Frappuccino bei Starbucks trinken gehen. Und obwohl die Skateboard-Treter nicht gerade für ihre Nachhaltigkeit bekannt sind, so bin ich doch gewillter, dieses Geld in meine Füßen zu investieren, als in meine Strandfigur.

Have a Body, put on a Bikini. Bitte sehr, Danke schön.

Aber ich bin ja selbst dran schuld, höre ich euch sagen, es zwingt mich ja niemand, im Segment der hochpreisigen Zweiteiler nach meinem Beachoutfit zu suchen. Was soll ich sagen? Ich war verzweifelt! Und manchmal bilde ich mir ein, Verzweiflung mit Geld aufwiegen zu können! Oder mit Süßigkeiten. Aber ich denke, ihr versteht, dass es meine Suche nach geeigneter Nass-Bekleidung nicht gerade vereinfachen würde, wenn ich mir jetzt auch noch ein paar Frust-Kilos anfresse. (Blabla, hier jetzt irgendeine Rechtfertigung darüber einfügen, dass man auch mit ein paar Kilos mehr einen Bikini tragen kann, How to have a Bikini Body – Have a Body, put on a Bikini. Bitte sehr, Danke schön). Das Gute ist: Ich muss mir nicht großartig Gedanken darüber machen, wie viele Tage ich auf Wasser und Brot umsteigen muss, um mir die hübschen Modelle namens „Tropic Racer“ oder „Arizona“ leisten zu können. Denn selbst bei nicht all zu naher Betrachtung kann ich abschätzen, dass die Höschen nur knapp über das Schambein reichen. Und wie gesagt: Steak, veganes Büffet, ihr wisst schon. High Waist ist doch momentan eigentlich sehr angesagt ..? Auch bei Bademode! Bei Zalando habe ich davon jedoch nichts gemerkt. Ein oder zwei Unterteile in diesem Stil gibt es, jedoch sind sie in allen Größen ausverkauft, außer in XS. Ich denke, es erklärt sich von selbst, wieso das so ist (no hate!).

Darf’s zu der Würstchen-Hose noch ein trägerloses Bustier sein?

Ich muss der Bikini-Industrie allerdings zugestehen, dass ich auch echt kein einfacher Kunde bin. Denn zusätzlich zu meinem Dilemma, im Bikinihöschen nicht meinen Venushügel entblößen zu wollen, möchte ich ZUSÄTZLICH auch noch meine Oberweite a) in Form und b) an Ort und Stelle halten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir ist daher mit den meisten Triangel-Neckholder-Dingens-Bummens nicht geholfen. Und über trägerlose Oberteile lache ich kurz und herzhaft. Wie erklären mir die Designer der Würstchen-Hosen, die ja nicht rutschen dürfen, die Existenz von trägerlosen Bustiers? Ich verstehe es nicht. Ich meine: Schön, dass es die gibt. Einige Damen werden darin sicher glücklich. Aber …. aber …

Wo war ich? Ach ja … schwieriger Kunde. Ich habe Ansprüche an die Bundhöhe der Hose, an die Sicherheit des Oberteils und – zu guter letzt – an die farbliche Ausgestaltung. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass man auf Bademode Palmenprints druckt. Das liegt ja nahe. Weihnachtsgeschenkpapier mit der Grußfloskel „Merry Christmas“ kommt ja auch immer gut an. Doch wieso sehe ich neuerdings überall Paisley? Also von Esprit, ne, von Esprit bin ich das ja schon gewohnt. Ich geh immer mal wieder in den Esprit-Store auf der Zeil, weil ich mir denke: „Mhm, joa, die Schaufensterpuppe sieht nett aus.“ Aber kaum setze ich meinen Fuß über die Schwelle, sehe ich nur noch – nein, nicht rot – Paisey! Paisley und fiddelfuddelklitzekleinen Blümchenprint und lauter andere Kram, der meinen Blick flimmern lässt. Motivdruck ist Geschmackssache und Geschmäcker sind verschieden, versteh ich ja. Aber wieso muss Paisley jetzt auch noch auf Bikinis auftauchen? Ist das jetzt hipp? Waren echt schon alle Muster dran und jetzt hat Paisley seine eine Saison im Rampenlicht? Bin ich die einzige. die bei Paisley immer an Ron Weasleys kastanienbraunen Pyjama denken muss? Ich kann mir wirklich kein Muster vorstellen, dass mich WENIGER in Sommerlaune bringt. Außer vielleicht Rentier-Print. Selbst Schotten-Karo erinnert mich mehr an Sandstrand, Cocktails und Schwimmflügel.

Ufff … jetzt hab ich mich bisschen in Rage getippt. Eins ist klar: Nach Bikinis guck ich heute nicht mehr. Sonst passiert ein Unglück. Und mit Unglück meine ich Axtmord. Wisst ihr, was beruhigend wäre? Schuh-Kauf! Schuhe sind gut zu dir.

 

Illustrierendes Bildmaterial war für diesen Beitrag leider nicht vorrätig 😉

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